Was ist eine Blasenentzündung?
Viele wissen es aus eigener Erfahrung: Eine Blasenentzündung ist schmerzhaft. Männer sind eher selten davon betroffen, wohingegen laut Schätzungen jede zweite Frau einmal im Leben unter der Erkrankung leidet.
Üblicherweise handelt es sich bei der Blasenentzündung um eine Infektion der Harnwege mit Bakterien, selten sind Viren, Parasiten oder Pilze im Spiel. Die Keime gelangen meist von außen über die Harnröhre in die Blase und führen dort zu einer Entzündung und Reizung der Blasenwand. Verkühlung und eine geschwächte Immunabwehr – etwa durch andere Krankheiten – begünstigen den Infekt.
Ständiger Harndrang verbunden mit Schmerzen beim Wasserlassen sind die häufigsten Symptome dieser Harnwegsinfektion.
UNSER EXPERTE: Professor Dr. med. Rainer Hofmann, Facharzt für Urologie und spezielle urologische Chirurgie
Mediziner unterscheiden:
• Die unkomplizierte Zystitis:
Dabei handelt es sich um eine Blasenentzündung bei einem Patienten, der keine Risikofaktoren für eine derartige Erkrankung besitzt.
• Die komplizierte Zystitis:
Eine Blasenentzündung bei einem Patienten mit Risikofaktoren, die das Leiden begünstigen. Dazu zählen zum Beispiel
- Schwangerschaft
- Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
- Abwehrschwäche oder Immunsuppression durch Medikamente
- Harnstau und eine Einengung der Harnwege (z.B. bei vergrößerter Prostata, Harnsteinen, Tumoren ...)
- Rückfluss von Urin aus der Blase in den Harnleiter (vesiko-ureteraler Reflux)
- Blasenfunktionsstörungen (z.B. bei Nervenerkrankungen)
- wiederkehrende Blasenentzündungen und Harnwegsinfekte
Bei leichten Blasenentzündungen sind Hausmittel eine gute Therapie: Warm halten und viel trinken – am besten Blasen- und Nierentees. Bei komplizierten Fällen sollte man auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen, der durch einen Urintest in wenigen Minuten die Diagnose stellt. Meist erfolgt die Behandlung dann mit Antibiotika.
Unbehandelt kann es zu Komplikationen kommen, etwa zu einer Nierenbeckenentzündung.
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Facharzt für Urologie und spezielle operative Urologie, medikamentöse Tumortherapie, Andrologie
Dr. med. Marcel Hruza
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So wie „Unterkühlung“, genauer: kühle Witterung, zu Erkältungen führt, kann sie – auch wenn das umstritten ist – durchaus Blasenentzündungen auslösen. Besonders Frauen, die ohnehin zu Blasenentzündungen neigen, sollten Risiken meiden. Sie sollten also zum Beispiel nasse Kleidung oder auch Badeanzüge schnellstmöglich wechseln oder Aktivitäten in starker Zugluft eher vermeiden (zum Beispiel Motorradfahren).
Kalte Duschen am Morgen machen den Körper widerstandsfähiger gegen “Wind und Wetter“.
Wer ausreichend trinkt und beim ersten Anzeichen von Harndrang auf die Toilette geht, erschwert den Bakterien, sich in der Blase anzusiedeln. Da Blasenentzündungen häufig auch nach dem Geschlechtsverkehr auftreten, ist es empfehlenswert, möglichst bald danach Wasser zu lassen. So können Erreger nicht so leicht über die Harnröhre in die Blase aufsteigen. Die Geschlechtspartner empfindlicher Frauen sollten sich vor dem Verkehr das Glied möglichst gründlich waschen.
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.
Um die Erreger wirksam zu bekämpfen und die Bildung von Resistenzen zu vermeiden, sollte eine Antibiotikatherapie immer über mindestens drei Tage durchgeführt werden. Viele Patienten haben eine Abneigung oder gar Angst vor Antibiotika. Da deren Einsatz in der Regel nach sorgfältiger Prüfung erfolgt, das heißt, dass der Arzt oder die Ärztin Gegenanzeigen und Unverträglichkeiten berücksichtigt (zum Beispiel Allergien gegen bestimmte Antibiotika oder das Vorliegen einer Schwangerschaft), sind diese Bedenken oder Ängste aber unbegründet. Eine zu kurze oder nicht ausreichend wirksame Behandlung kann zu einem raschen Wiederauftreten der Entzündung nach einer kurzen Phase der Beschwerdefreiheit führen. Manchmal wandern Bakterien, die in der Harnblase verblieben sind, auch über die Harnleiter in die Nieren hinauf und verursachen dort eine Nierenbeckenentzündung mit starken Schmerzen und Fieber.
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza
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Bei Männern hat eine Blasenentzündung meist bestimmte organische Ursachen, die die Therapie erschweren können. So können etwa eine Harnröhrenverengung oder aber auch eine gutartige Prostatavergrößerung eine Rolle spielen. Harnröhrenverengungen können zum Beispiel eine Komplikation nach Kathetereinlagen oder anderen Eingriffen sein oder durch schwere Entzündungen entstehen. Da die Harnröhre der Frau viel kürzer ist als die des Mannes, kommen zum Beispiel Harnröhrenverengungen bei Frauen seltener vor.
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Untersucht werden:
Neben der Behandlung mit geeigneten Antibiotika sind die genaue Diagnostik im Hinblick auf krankhafte Organveränderungen und schließlich die konservative – nicht operative – oder die operative Behebung der entsprechenden Ursache von großer Bedeutung. Das kann zum Beispiel eine medikamentöse Therapie bei gutartiger Prostatavergrößerung sein oder aber ein Eingriff an der Prostata. Mögliche Verfahren sind hier die TUR-P (= „Abhobelung“ der Prostata über die Harnröhre mittels einer kleinen, Strom führenden Schlinge), die Laserenukleation (über eine durch die Harnröhre im Rahmen einer Spiegelung eingebrachte Lasersonde wird mittels Laserstrahl Prostatagewebe herausgeschnitten und über die Harnröhre entfernt) oder auch die Laservaporisation (Verdampfen von Prostatagewebe über eine Lasersonde, die durch die Harnröhre eingebracht wird). Bei Harnröhrenverengung kommt ebenfalls eine Laserbehandlung in Frage.
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Meist können die Erreger und mögliche Resistenzen, also das Nichtansprechen auf bestimmte Medikamente (Antibiotika), bei einer Untersuchung des Urins im Labor festgestellt werden. Bei wiederkehrenden Infekten sollte auch eine weiterführende Diagnostik erfolgen, zum Beispiel eine Ultraschalluntersuchung der Nieren oder eine Röntgenuntersuchung zum Ausschluss eines Refluxes – also des Urin-Rückflusses von der Blase in die Harnleiter. Eine Katheteruntersuchung ist nicht unbedingt nötig.
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza
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Besser als eine ungezielte Therapie, die zu einer „Verschleppung“ der Infektion führen kann (Tees sind zum Beispiel nur Zusatzmaßnahmen und schmecken den Kindern oft auch nicht) ist eine möglichst kurzfristige Behandlung mit Antibiotika. Die ist immer dann am wirksamsten, wenn zuvor in einer Laboruntersuchung eindeutig festgestellt wurde, um welche Erreger es sich handelt und ob sie gegenüber bestimmten Medikamenten empfindlich sind oder Resistenzen dagegen entwickelt haben.
Sollte aber eine Fehlbildung des Harntraktes festgestellt worden sein, ist eine operative Therapie oft notwendig. Es empfiehlt sich, Ihr Kind einem Zentrum anzuvertrauen, das Erfahrung in der Kinderurologie hat. Heute sind viele Eingriffe auch bei Kindern mit minimalinvasiven, also wenig eingreifenden Methoden machbar.
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Jens Rassweiler, Dr. med. Marcel Hruza
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www.apotheken-umschau.de;
13.09.2005, aktualisiert am 16.04.2012
Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/Privat, W&B/Martin Ley
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